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Sich mal in eine Katze hineinversetzen ...
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Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Katzen (Gebundene Ausgabe) Ungerer hat sich enorme Mühe mit seinen Katzen-Karikaturen gemacht. Scheinbar hat er sich in die Frage hineinphantasiert, wie Katzen uns die Welt zeichnen würden, wenn sie es denn könnten. Wie würden sie unsere Umwelt gestalten, wenn sie die Designer-Jobs in ihren höchsteigenen Krallen hätten? Wie sähen dann die Verkehrszeichen aus und die Kirchen-Innenräume, wie die Juwelierläden oder die Konditoreien? Wie würden die Katzen sich selbst kleiden, wenn sie kaufen könnten, wie teuer würden sie sich stylen oder in welchem Stil sich porträtieren lassen? Würden sie dabei mehr zu Picasso tendieren oder mehr zu Magritte (wie auf dem Titelbild des Bändchens), mehr zu Blümchen-Tapetenmustern oder mehr zum Häkeldeckchen-Stil? Ob Brüsseler Spitze oder Malachit-Miniatur, ob Kartoffeldruck oder Neon-Licht-Skulptur (als Mega-Insider-Katzenschwanz): Ungerer läßt fast keine Idee der Kunstgeschichte aus, um sie aus neuartiger Katzen-Perspektive einzufärben. Wie erlebt eine Journalisten-Katze ein Erschießungskommando, wie die Statue der Justitia, wie die Wallstreet-Börsenmakler oder Kalaschnikow-Benutzer? Ein Katzen-Chefredakteur brächte einige Parallelverschiebungen in unsere Bild-Horizonte - es amüsiert, sich auf Ungerers hypothetische Reise einzulassen. Dem liebevoll zusammengestellten Karikaturen-Büchlein ist ein anrührendes Nachwörtchen angehängt. Ungerer selbst erzählt dort von seinen beiden Katzen Heidsieck und Piper, letzterer auf einem Familienfoto zu entdecken, aufgenommen am Strand in Kanada: Katze Piper geht dort unerschrocken, nicht brandungsscheu, der Familie voran. Für Ungerer waren, wie er schreibt, Katzen ein Leben lang eine Quelle der Inspiration: sicherlich nicht nur, was (Katzen an die Macht!) eine mögliche globale Umgestaltung des Designs anbeträfe - sondern vielleicht auch hinsichtlich anderer Punkte: Selbstbewußtsein, sinnliche Genussfähigkeit, Nonchalance angesichts eines Erschießungskommandos - das kleine Büchlein gibt viele versteckte, spöttische Hinweise darauf, was wir von Katzen lernen könnten, wenn wir denn genug Esprit dazu besäßen ...
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 22. Januar 2003 |